Pferd oder Nichtpferd

Das ist wohl die Frage. Der jüngste Lebensmittelskandal um Pferdefleisch in der Lasagne ist schon wieder nahezu ein alter Hut – wann kommt der nächste? – da raffe ich mich auf, einige Worte dazu zu schreiben.

Es gingen mal wieder die Wogen hoch – die Aktionisten, die nach mehr Kontrolle und Überwachung durch den Staat schreien und die Fatalisten, die dem Endkunden im Supermarkt die ganze Verantwortung aufbürden, und im Übrigen sei man ja selbst schuld durch sein Verhalten.

Einen netten Artikel zum Thema habe ich auf castagiro.wordpress.com gelesen, mit bedenkenswerten Ausführungen in den Kommentaren, wie es überhaupt dazu kommen konnte, und einer sehr guten Erkärung zum Thema Markenprodukt und echter/unechter Handelsmarke. Er sieht fast die gesamte Verantwortung letztendlich bei den Verbrauchern. Der Verbraucher will billig und Qualität ist eher egal, also kriegt er auch billig und genau die Qualität, für die er bezahlen will, wo ist das Problem?! (Mir stehen die Haare zu Berge…!) Lesenwert auch die da verlinkten Artikel.

Mir ist es letztendlich auch relativ egal, was in Tiefkühl Lasagne drin ist, da ich das und anderes niemals kaufe. Aber: mein Gefühl sagt mir, daß ich als Käufer doch dem vertrauen können und mich darauf verlassen können muß, was als Zutat aufgeführt und deklariert ist. Wobei gerade in Deutschland die Zutat Pferd, ähnlich wie Hund oder Katze, mit einem gewissen entsetzten Ekel besetzt ist. Daß man es essen kann, keine Frage, kann man. Aber – wenn auf der Packung als Fleischzutat Rindfleisch aufgeführt ist, dann erwarte ich Rindfleisch und – ganz ehrlich – nur Rindfleisch. Auch solche Kunstgriffe wie Deklarationen der Art „trotz aller Sorgfalt kann das Produkt Spuren und Bestandteile von Pferden, Hunden, Katzen, Bibern und Känguruhs enthalten“ würde ich weniger lustig finden. Ich vermag da keine Sorgfalt zu sehen, sondern eher eine rechtliche Absicherung der Tatsache, daß ihre Produktionsstraßen seltener und weniger gründlich gereinigt werden, als es notwendig und vertretbar wäre.

Einige Leute sagen, der Verbraucher sei durch sein Kaufverhalten selbst schuld. In Grenzen mag das durchaus zutreffen, nur hat der Verbraucher nur selten Gelegenheit, direkt eine Auswahl aus allen verfügbaren Produkten zu treffen, er ist meist an eine Vorauswahl des Einkäufers seines Ladens/Marktes gebunden (besonders all die Mini-Edekas, Mini-Rewes, Mini-Nettos, Mini-Aldis usw. die in irgendwelchen ehemaligen Tante-Emma-Läden aufgemacht wurden), der aus Platzgründen nur eine kleinere Auswahl anbieten kann. Selbst große Supermärkte haben nicht das gesamte Sortiment sämtlicher Marken im ständigen Angebot, sondern wählen im Voraus aus – der Verbraucher kann dann in aller Ruhe zwischen Sorte A und Sorte B wählen, obwohl es im Katalog noch das gesamte Alphabet gäbe. Wer also ist letztendlich schuld?

Ich bin durchaus geneigt, dem Verbraucher auch aufgrund von Faulheit und Bequemlichkeit einen Teil der Schuld aufzuerlegen. Selbst kochen hat noch keinem geschadet, es ist meist gesünder, sieht besser aus, und schmeckt auch besser. Das Märchen vom „praktischen Fertiggericht“ ist genau das – ein Märchen. Und wer hat es ihm eingeredet? Er sich selbst, was? Gutgläubigkeit und Bequemlichkeit in Verbindung mit Desinformation und weitestgehender Unselbständigkeit (man glaube es nur mit Unwillen, aber (sehr) viele Menschen sind nicht mal in der Lage, ohne Mißerfolge der einfachen, bebilderten Anleitung auf einer Puddingpackung zu folgen und genießbaren Vanillepudding zu kochen) bringen derartigen Glauben hervor, den Glauben an Zeitersparnis und Praktischsein von industrieller Tiefkühlkost. Naja. Jeder wie er möchte. Der Slogan „Geiz ist geil“ gibt leider auch das Seine dazu… auf daß der Teufelskreis sich weiterhin drehe und drehe.

Was aber tun? Hektisch Kontrollen zu fordern, am besten einen Gen-Test von allem angebotenen Fleisch, ob es tatsächlich nur Rein Rind, Rein Lamm, Rein Pferd sei? Das halte ich für absolut sinnlos. Es gibt doch ein Lebensmittelgesetz, in dem meiner Meinung nach schon alles enthalten ist, was notwendig ist. Es müßte sich nur daran gehalten werden, und zwar nach nicht dem Prinzip „es ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist“ und „ich mache, wie ich lustig bin, bis man es mir rechtskräftig verbietet“ sondern eher nach dem Motto „nur das (Beste), was mein Familie und ich selbst essen würden, biete ich an und stehe mit meinem guten Namen dafür ein“. Lindt macht es, einige Kindergläschenhersteller tun es, Dr.Oetker, um nur einige zu nennen (und bitte, falls diese auch tricksen und betrügen, ziehe ich in den Wald* um, wo er am tiefsten ist, kleide mich in Sack und Asche und lebe von nun an von Beeren, Kräutern und Pilzen 😉 )   *sich schon mal nach einem Plätzchen umsehend

War das nicht früher* mal anders? Daß der Kunde blind darauf vertrauen konnte, daß nur beste einwandfreie Lebensmittel in den Handel gelangten? Weil nur das der Ehre und Moral der Lebensmittelhersteller entsprach? Wann hat sich das nur so ins negative verschoben, wann fing es an, daß Geld verdienen und mehr Geld verdienen einen höheren Stellenwert einnehmen konnten als einwandfreie Produkte herzustellen und zu liefern? Seit auch die Deutsche Bank an der Börse mit Lebensmitteln spekuliert? Ein Skandal nach dem anderen. Ich erinnere mich an Gammelfleisch, verseuchtes Geflügel, Maul- und Klauenseuche, Rinderwahnsinn, gedopte Schweine, von Massentierhaltung unter katastrophalen Bedingungen ganz zu schweigen. Es scheint aber immer mehr Leuten mehr und mehr egal zu sein.    *ah, der umwerfend genaue Ausdruck des Wörtchens früher. Ich meine die guten alten Zeiten, als das Wort eines Mannes noch etwas galt, als er mit seinem guten Namen für sein Handeln und seine Produkte einstand – DIESE Zeiten meinte ich.

Meine Meinung: als Verbraucher und Kunde habe ich nicht die Zeit, das Geld und die Intention, jedesmal genauestens zu prüfen, ob mein geordertes Rinderhack wirklich aus Rindfleisch gemacht ist. Das kann nur eine Vertrauenssache sein. Das heißt, ich bin als Verbraucher darauf angewiesen, daß mein Lebensmittelhersteller/-händler mein Vertrauen nicht mißbraucht, sondern es als Sache seiner persönlichen Ehre ansieht, mir jederzeit zur vollsten Zufriedenheit genau das zu liefern, was angefordert, versprochen und deklariert wurde. Eine Lasagne aus Rindfleisch hat nur Rindfleisch zu enthalten, das halte ich für selbstverständlich.

Zu den Mondpreisen von 1,69 € für eine Tiefkühl-Lasagne versus 2, 79 € für ein „Marken“produkt: das finde ich absurd. Die Modalitäten der Preisgestaltung erschließen sich mir nicht wirklich, mir erscheint sowohl der eine als auch der andere Preis unverständlich (niedrig), wenn ich bedenke, was ich an Ausgaben allein für die Zutaten einer Hausmacher -Lasagne habe, und dann ist sie noch nicht zubereitet. Frisch-Lasagne aus dem Kühlregal kostet schließlich auch ein Vielfaches, und das zu Recht. Ein Preiskampf, um sich allein durch Niedrigpreise am Markt zu positionieren, kann meiner Meinung auf die Dauer nicht funktionieren. Das kann nur durch Qualität und stets einwandfreie Ware geschehen. Vielleicht bin ich ja naiv, aber ich glaube an das Gute im Menschen. 🙂

Ansonsten bin ich 95%-Vegetarier, Hobbyköchin (ohne Sterne 😉 ) und habe im Leben noch nie eine Tiefkühl-Lasagne gekauft. Vielleicht sollte ich das endlich mal tun? Nur um zu probieren und damit ich weiß, wovon genau alle reden?

Mahlzeit, Sathiya