Unser aller Busen-Feind

… ist der innere Schweinehund.

Was ist das? Oder besser gefragt – wer?

Jeder kennt wohl den inneren Schweinehund. Das ist der, der mit der Stimme der Vernunft zu uns sagt, daß wir das einen oder andere Anstrengende/Peinliche nicht zu tun bräuchten, weil wir es ja sowieso nicht schaffen/überstehen/managen würden/könnten.

Der uns rät, doch lieber im Bett/auf dem Sofa/ im Sessel liegen/sitzen/fläzen zu bleiben, anstatt den Hintern hochzubekommen und endlich was für seine Figur/Gesundheit/Fitness usw. zu tun.

Der sagt: ‚ach, iß/trink nur weiter, es schmeckt/läuft grad so gut‘ – obwohl einem das Essen/Trinken schon bis Oberkante Unterlippe steht, und man ganz genau weiß, daß es einem danach schlecht gehen wird.

Der uns hindert, j e t z t  endlich das Notwendige zu  t u n, anstatt es immer auf „morgen“ zu verschieben.

Und er tarnt sich als unsere eigene innere Stimme. Sehr oft unerkannt, flüstert er seine Ratschläge… und kaum einer kennt seine wahre Stimme.

Die Umgewöhnung vom Alten zu etwas Neuem und Ungewohnten dauert ca. 6 Wochen. Solange muß man mindestens durchhalten, bis einem die neue Gewohnheit in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Was wir aber nach kurzer Zeit statt Zustimmung in unserem Inneren hören, ist die innere Schweinehund, der unbedingt wieder zu seinen gewohnten Ritualen zurückwill. Und dem ist es völlig egal, ob uns diese gutgetan haben oder nicht. Er will das Alte, und zwar sofort. 😉

Machen wir ein Experiment: Wie nehmen wir die Stimme des inneren Schweinehundes ganz genau und unüberhörbar wahr? Und wie ordnen wir ihn uns unter?

Stellen oder legen wir uns eine Uhr bereit, sodaß wir sie ohne Schwierigkeiten ablesen können.

Füllen wir zwei 2-Liter-Gurkengläser randvoll mit Wasser, schrauben sie zu und ergreifen sie an den Deckeln mit unseren Händen.  Heben wir unsere Arme seitlich im 30°-Winkel gestreckt nach oben und halten diese Position, mit den Gläsern nach unten hängend  in der Hand, für eine Viertelstunde. Das ist alles.

Derjenige, der unweigerlich nach spätestens fünf Minuten zu uns spricht, dieses Experiment als Schwachsinn, Zeitverschwendung, Irrsinn usw. bezeichnet – ist unser lieber innerer Schweinehund. Und wie schön er schimpfen kann! Einfach unglaublich, mit welchen Ausdrücken er daherkommt – die man bis dato selbst nicht kannte. Aber wir bleiben eisern, halten unsere Arme weiter schön im 30°-Winkel gestreckt nach oben.

Die ersten Muskeln fangen an zu zittern, was der Kerl zum Anlaß nimmt, plötzlich seine Taktik zu ändern. Er meint: ‚die Arme fangen an zu zwiebeln, hör doch auf, ja, du hast mir gezeigt, wer der Herr/die Dame im Haus ist. Nimm die Arme runter, nur ein kleines Stückchen… und noch eins, und noch eins, und …‘ wie sehr er schmeichelln kann, der Charmeur!  Aber wir sind der Herr/die Dame im Haus und halten unsere Arme weiterhin nach oben, die Gläser fest im Griff.

Nun imagiert der Mistkerl etwas neues: uns fielen die Gläser aus den Händen, und eine seelige Erleichterung breitete sich aus (zuzüglich Wasser und Glassplittern) … und alles was wir dafür tun müssen, ist, einfach loszulassen. Tun wir aber nicht. Werden dafür übelst beschimpft. Und er fängt an zu flennen. Das könnten wir doch nicht tun, das wäre unfair, und ihm (IHM!!) täten die Arme ja so weeeh…

Wir halten eisern unsere Arme mit den Gurkengläsern 30° nach oben. Die nun wirklich leicht schwerer wirken. Es scheint so, als habe sich das niedliche Kerlchen gleich mit draufgesetzt… und schaukelt und macht sich SCHWER.

Unser Atem beginnt schwerer zu gehen – das ist normal. Ungewohnte Anstrengung, das.

Herr Schweinehund versucht es auf der Vernunftschiene: ja, wir hätten schon 10 Minuten geschafft, mehr wäre nicht notwendig, er kapituliere. Sonst hätten wir später mörderischen Muskelkater, wenn wir jetzt entgegen jeder Vernunft weitermachten. Es wäre nur vernünftig, aufzuhören, bevor es häßlich würde. ‚Im Übrigen war und ist das eine tootal bescheuerte Idee. Hör sofort auf, du Idiot, ich rede sonst nie wieder mit dir!‘ (aber genau das wollen wir ja, wir wollen, daß er auf UNS hört und nicht wir auf IHN!!)

Eisern, mit hochrotem Gesicht, halten wir unsere Position.

Er fängt an, nach Spiegelbildern zu suchen und uns vorzuhalten, wie dämlich man aussähe, wenn nun jemand ins Zimmer käme und uns so sähe, was würden wir dann als Erklärung vorzubringen haben? Er macht sogar Anstalten, uns die Kontrolle über unsere Stimmbänder zu entreißen, um jemanden zu rufen, der dann ins Zimmer käme, und wir dann aufhören MÜSSTEN, weil wir uns sonst lächerlich machen würden. Aber wir knurren ihn nur an – und uns ist egal, ob jemand ins Zimmer kommt oder nicht, wir wollen ihn uns unterordnen! Mit Gewalt, wenn nötig!

Bis hierher haben wir durchgehalten. Wir schwitzen wie ein S—, hochrot, schnaufend, zitternd, aber wir halten die Gläser fest. Die Uhrzeiger/digitale Zeitanzeige fest im Blick.

Die letzte Minute ist angebrochen. Fast geschafft. Und der kleine Mistkerl spielt sein letztes Ass aus: ‚ach, du hast es ja geschafft – egal ob 12 oder 14 Minuten, die Geste ist es, die zählt, hör doch auf…‘

Die letzten Sekunden geraten zum allerschlimmsten Machtkampf überhaupt.

Aber wir – halten unsere Arme nach oben. Und senken sie, nach exakt 15 Minuten langsam nach unten, um unsere verkrampften Finger zu lösen, was nicht so leicht ist – denn unser Schweinehündchen probt ein letztes Mal den Aufstand: ’siehst du, was du angerichtet hast, du IDIOT? Das ist alles deine Schuld, du Versager, Blödmann, …?%&/@§%/§$!!, wehe du machst das nochmal!‘  Wir aber, in aller Seelenruhe, heben unsere Arme mit den ums Schraubdeckelglas gekrampften Fingern für eine weitere Minute in die nämliche Position. Bevor wir endlich loslassen. Aus eigenem freien Willen. 😉

Geschafft.

Wir sind der Herr/die Dame im Haus, Sieger nach Punkten.

Wünsche nette Unterhaltung mit dem persönlichen inneren Schweinehund!

🙂  Grüße, Sathiya