Das Plastiktütenphänomen

Ich muß mich wundern. Über Leute, denen das Geld jeden Monat zu knapp ist, die nur billigste Lebensmittel kaufen, und die trotzdem anscheinend nicht über die Runden kommen, denn für Körperpflegemittel wie Seife und Shampoo, von Deo mal zu schweigen, fehlt das nötige Kleingeld. Für neue Kleidung und Waschpulver ebenso, und erschütternderweise auch für Nähzeug, um die schlimmsten Löcher und ausgerissenen Stücke wieder zu flicken. Aber – jedes Mal, wenn ich diese Menschen einkaufen sehe, gehen sie mit Tüten voller Einkäufe nachhause. Neuen Tüten, das Stück zwischen 20 und 50 cent. Pro Woche gehen sie fünfmal einkaufen, jedesmal pro Einkauf zwei Tüten, macht 10 Tüten oder einen Betrag zwischen 2 und 5 € allein für die Plastiktüten. Sind pro Monat 8 bis 20 €, pro Jahr … Dafür habe ich das Geld nicht übrig. Da bin ich zu geizig, da finde ich ausnahmsweise mal Geiz so richtig geil.

Wie kommt es? Wie kommt es zu so einem Verhalten?

Es kann einen doch nicht wirklich überraschen, daß man, wenn man im Supermarkt einkauft, eine Tasche oder Tüte benötigt, um alles nachhause zu transportieren. Wenn man öfter einkauft, weiß man doch auch so ungefähr, welche Mengen man kaufen wird und daß man eine Tragemöglichkeit brauchen wird, und kann in weiser Voraussicht eine Tasche oder Beutel in passender Größe und Anzahl mit sich führen. Aber wirklich, ich beobachte das jedes einzelne Mal. Und es sind immer dieselben.

Vielleicht sollte ich mal einen Workshop anbieten – „Wie Sie richtig Geld sparen, indem Sie sich ein-für-alle-mal eine Einkaufstasche in ordentlicher Größe zulegen, damit die horrende Summe von bis zu 260 € im Jahr sparen, die Sie sonst ohne mit der Wimper zu zucken für Einmal-Einkaufstüten ausgeben, und sich davon nicht nur Duschgel, Shampoo, Deo, Waschpulver kaufen können, sondern sogar noch etwas übrig haben.“ Völlig und absolut garantiert kostenlos.

Ich habe übrigens mal vorsichtig ein paar Leute gefragt, die immer zuviel Geld für Tüten, aber nicht genug für andere Dinge zu haben scheinen, warum sie sich denn anstelle der Plastiktüten keinen Stoffbeutel kaufen würden. Denn dieser wäre 100fach wiederverwendbar, waschbar, klein zusammenfaltbar, paßt in jede Jacken- oder Hosentasche, hat man immer dabei – die Antwort sollte mich eigentlich nicht erschüttern, tat es aber doch: der Stoffbeutel sei mit 1,50 € zu teuer. Da. Haben. Sie. Es. !!!

Halb lachend, halb nicht, viele Grüße, Sathiya

 

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8 Kommentare zu “Das Plastiktütenphänomen

    • 🙂 😦 :mrgreen:
      Komm, machen wir eine Schule auf: university of life. Unterrichtstoffe: die basics des täglichen Lebens. Launig mit englischsprachigen Phrasen garniert, müßte das auch den letzten hinterm Ofen vorlocken… 😉

  1. Du, das bleibt uns leider nur als Privat-Taetigkeit diese ‚Kurse‘. Denn: die, welche selbige braeuchten, gehen nicht hin (= schwirren einem meist nur zufaellig selbst vor der Nase herum) und den Anderen das Geld unnoetig aus der Tasche zu ziehen ….
    …. wuerde mich seeehr wundern, wenn sich das mit Deiner persoenlichen Fairness/Ethik verbinden wuerde. 😉

    • Ah, liebste G.,

      ich schrieb doch „absolut und garantiert kostenlos“. Man müßte nur mit seiner liebgewordenen Gewohnheit bezahlen, und mit seiner Freiheit, sich jederzeit dumm, unklug usw. aufführen zu können.
      Obwohl – ich glaube, dieser Preis ist für viele zu hoch. 🙂 😉 😦

      Was machen wir da?

      Ich habe eine Idee: einen Crashkurs im Schnellhäkeln anbieten – 1 Einkaufsnetz in 2 Stunden. Also wenn das nicht zündet, weiß ich ja auch nicht… 😉 😀

      Lg, Sathiya

  2. … und sollte jemand glauben, die verkorkste menschliche Psyche sei anhand von Plastiktüten ja nun wirklich nicht zu erklären – oh doch, quod erat demonstrandum:
    In Spanien waren die Plastiktüten bis vor vor kurzem noch gratis. Also langte jeder reichlich zu. Nicht selten wurden drei Joghurts in eine Tüte gepackt, ein Waschmittelpaket in eine andere, „sind ja verschiedene Dinge“. Nicht selten gingen die Menschen mit fünf nicht einmal halbvollen Plastiktüten aus dem Supermarkt.

    Wie man jemanden mal verschämt darauf hin „Hey, daspasst doh da noch rein, gibt doch eh genug Plastik auf der Welt“, kam die prompte Antwort „Wieso? Ist doch gratis und ich nutze die Dinger immer auch gleich als Mülltüte zu Hause …“.

    Vor kurzem also begannen die Supermärkte, Geld für die Plastiktüten zu nehmen. Jetzt waren ungeheuerliche vier Cent pro Tragebehältnis zu berappen. Vier! Auf die obligate Frage der Kassiererin „Möchten Sie eine Tüte?“ kommt jetzt in unglaublich vielen Fällen ein „Ach, lassen Sie mal …“ – eben, sind ja vier Cent. Und dann geht Frau Rodríguez aus dem Supermarkt mit den 6 Eiern, dem Shampoo, dem Wurstpaket, den 8 Joghurts, dem Salatkopf, dem Brot und dem Träger mit den sechs Bier für den Gemahl.

    „Es ist unglaublich, wie vielen Leuten in letzter Zeit zwischen Kasse und Ausgang die ganze Ware auf den Boden knallt“, sagt eine Supermarkt-Reinigungskraft und schwingt lethargisch den Wischer. Wovon das bloss kommt?

    (In zwei Jahren, wenn die Leute begeistert jede Menge Plastiktüten für dann mindestens zehn Cent aus dem Supermarkt schleppen, melde ich mich wieder.)

    • Vielen Dank für den interessanten (und deprimierenden) Einblick in spanische Supermärkte!
      – – – Ja, es gibt nichts, was es nichts gibt. Lieber die Einkäufe zweimal erledigen, weil einem aus Geiz und weil einem die 4 cent pro Tüte leidtun, die eine Hälfte auf dem Weg zum Auto runterfällt, als Voraussicht zu beweisen und einen ordinären Stoffbeutel mitzunehmen. Heiliger Bimbam… !!! 😀 (sorry für Gotteslästerung). Wenigstens haben auf diese Weise wenigstens die Reinigungskräfte einen sicheren Arbeitsplatz. :mrgreen:
      *das war böse böse, 1/2 sorry*
      4 cent pro bisher kostenlose Tüte ist doch mal ein Anfang… ist nur die Frage, welche Gewohnheit sich schneller einschleift – die 4 cent zu bezahlen oder doch eine Einkaufstasche mitnehmen? Ich bin gespannt auf die Meldung in 2 Jahren! (gern auch schon früher, if you don´t mind)
      Grüße nach Spanien, Sathiya

      • Also gut, Euch kann ich in Europa noch halbwegs verstehen: viele leben in Staedten; das Verkehrstransportnetz ist gut ausgebildet; Auto ist in manchen Staedten meeehr im Weg, als mitunter nuetzlich. Darum: irgendwelche Tragebehaeltnisse.
        Was ich aber NICHT verstehe ist, dass hierzulande aaaalles in ‚einemilliondroelfzig‘ Tueten muss um diese bepackten Tuetenhaufen dann trozdem mit dem Trolley zum Auto zu karren (und ohne Auto geht sich hier leider – sogar in den Staedten – kaum was = seufz) Warum, kann das Zeug dann nicht einfach – ohne Verpackung – durch die Kasse geschoben werden und ebenso lose im Trolley zum Auto gekarrt werden?
        Dort muss ich ja sowieso NOCH einmal durch den Pack durchsortieren, um die Gueter dann notfalls in Kuehltaschen einzusortieren (inkl. in meinem Fall in ‚kommt treppauf ins Haus‘ vs. kann im UG/Pseudo-Keller lagern und notfalls von Maeusen ‚ge-Marterpfahl-umtanzt‘ werden.
        Mir tun auch gerne die Finger schnell zu weh, wenn ich mehrere von den Plastiktueten dann in der Hand haltend schleppen muss (vom Auto zum Haus z.b.) – ich schultere die meisten Sachen lieber – diese Moeglichkeit bietet aber seltenst eine fertig gekaufte ‚pseudo-recycling-Tasche‘ der Suma’s.

        • Weiß ich auch nicht. Es ist eben „so bequem“, so „schnell zur Hand“, so gewohnt, man gönnt sich ja sonst nichts.
          Eine normal große Einkaufstasche sollte das Problem lösen, so eine hält nahezu ewig, und man kauft nichts, was man nicht auch da rein packen kann. Aber mit den allgegenwärtg verfügbaren Plastiktüten wird das Verstauproblem der Einkäufe sozusagen außer Kraft gesetzt und nur durch den Platz im Kofferraum limitiert, wenn überhaupt.
          Ist halt die moderne Zeit… *seufz* und man kann nur selbst mit gutem Beispiel voran gehen und ab und zu einen Zeitgenossen darauf aufmerksam machen.
          Lg, und sorry für die verspätete Erwiderung (dieser Kommentar war wochenlang von meinem „Radar“ verschwunden 😉 ), Sathiya

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