Frühling und der schönste Tag im Leben

(Nein, nein, ICH doch nicht, nie im Leben.) 🙂Frühling1

Seit einigen Wochen wird wieder vermehrt geheiratet und sich verheiratet vermehrt, egal wo man hinsieht, ob man will oder nicht, überall turtelnde Pärchen mit oder ohne Kind oder mit ohne Kind aber Bauch. Und Hochzeitskleider, steife Anzüge, blumengeschmückte Karossen, Hupkonzerte, der Platz vor dem Rathaus ist im Stundentakt mit anderen Hochzeitsgesellschaften bestanden (besetzt paßt schlecht, man steht ja immer zum Sektempfang), und verschiedene Hochzeitsfotografen machen mit verschiedenen Hochzeitspärchen eine photo-shoot-Polonaise rund um den Ententeich im Kurpark.

Das beobachtend, während meine Jüngste und ich die Enten füttern und einen Hund, der sich für eine Ente hält, gleich mit, amüsieren wir uns über die lustigen Verrenkungen des Fotografen beim Knipsen. Die Gefahr, in der sich seine teure Kamera befindet, während er, um das perfekte Bild zu bekommen, wagehalsige stunts auf dem Teichgeländer vollführt und dabei fast ins Wasser stürzt, entlockt uns einige erschrockene Luftschnapper, und die unübersehbar unromantische Stimmung, in der sich das aktuell direkt vor uns abgelichtete Hochzeitspaar befindet, erweckt Mitleid. Es sind immerhin nur 11 °C, eigentlich viel zu kalt, um im dünnen schulterfreien Kleid einen einstündigen Fotoshoot an der zugigsten Stelle der Stadt zu absolvieren (erst recht, wenn frau dann noch nicht mal eine Runde weiter kommt, um eventuell Germany´s next topfmodel zu werden 😉 ), aber die Braut ist gut gepolstert. Der zugehörige Bräutigam ebenso, aber dieser hat einen Anzug an – und ein langärmeliges Hemd. Wie unfair. 😉 Und die nächsten Pärchen stehen schon in Startposition… und ich frage mich angesichts der gequälten Mienen, mit der vor allem die Bräute ihre Füße in den Brautschuhen mustern, der Gänsehaut, die man beinahe über den ganzen See hinweg sehen kann, dem Unbehagen, mit dem die Bräutigame ihre Köpfe in den viel zu engen Krägen hin- und herdrehen, ob ihr Hochzeitstag wirklich der schönste Tag im Leben wird, oder eher der Tag, von dem sie hoffen, er möge am schnellsten zuende sein. Denn nach dem Fotografieren wartet noch der abendliche Festmarathon auf sie, mit allem an Verwandtschaft und Bekanntschaft und Kollegschaft, was eingeladen und beeindruckt werden muß.

Wir schauen uns interessiert die Enten und die Parade der Hochzeitspärchen an, nach drei Stunden sind unsere Brotstückchen alle, die Enten satt, wir ermüdet und verfroren. Die Pärchen wirken – unromantisch. Viele fauchen sich auf dem Weg von einer zur anderen location rund um den See gereizt an, um dann auf Kommando das liebende, sexy, schöne Paar darzustellen, das sich liebevoll in die Augen sieht… und mir zeigt genau eben dies, daß eine Hochzeit dieser Art für mich nicht in Frage kommt. Mehr Schein als Sein, egal wie, das perfekte Foto muß her. Sonst ist es der falsche Ehemann… was einer der armen Kandidaten auch unüberhörbar zu hören bekommt. Ich schäme mich fremd für die Frau.

Ein Glück, daß heutzutage so gut wie niemand mehr an „bis daß der Tod euch scheidet“ glaubt. Höchstens „bis daß die Polonaise um den Park zuende ist“. Amen. 😉

Grüße, und einen schönen Frühling, Sathiya

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7 Kommentare zu “Frühling und der schönste Tag im Leben

  1. … da braucht mit mir auch heute noch niemand aus meiner Verwandtschaft mit mir diskutieren (dass sie ‚damals‘ keine Party bekamen, weil ich nur mit dem ‚legal requirement‘ geheiratet habe):
    MEIN Tag – my rules! Sollte mir je ein womoeglich mir zukuenftig noch in Haus stehender Partner irgendwelche groesseren Festivitaeten mit mir als geplanten Mittelpunkt auf die Nase druecken wollen, kann ich jederzeit mich – wieder – fragen: what else is wrong, wenn wir DA schon nicht einer Meinung sind!
    Ich bin ein grosser Befuerworter von Kompromissen, aber wirklich nur, wenn damit das ‚Ueberleben‘ und/oder Wohlbefinden beider Seiten garantiert wird. Festivitaeten mit mehr als 10 Personen sind mir ein Greuel und ich ueblicherweise sehr schnell zur Hintertuer hinaus.
    (;-) aber ’sie‘ sind vorher guuut durchgemischt geworden von mir – you surely can take this for granted! 😉 )

    • Yes.
      Trotzdem – nix für mich. Lustig, daß wir da übereinstimmen!
      Meine Schwester hat damals mit großer Gesellschaft geheiratet – zuviel, wenn Du mich fragst, mit Besuchern von drei Kontinenten. OMG…!!!
      Lg, Sathiya

      • ja, kenne ich; waren alle weiiit vor uns auch wieder geschieden! 😉

        … und die sog. Landhochzeiten mit ‚Kammertwagen‘ (= Aussteuer-Besichtigung und sonst. ‚Brauchtum‘) …. = ausser den Trachtenklamotten …. vergiss‘ es!

        Wir hatten ordentlich Aerger von MEINER Familie fuer MEINE Entscheidung. Inkl. fuer meine NICHT-Teilnahme an der Hochzeit eines meiner Brueder mit dem Satz „… Du hast sie selbst – sprich ohne mich -kennegelernt; Du willst und musst dann auch alleine mit ihr – ohne mich – (ueber)leben; Du wirst sie verdammt noch ‚mal auch ohne mich heiraten koennen, oder ?!“
        Sein maennlicher grinsender Kommentar war „danke; kann ich – aber sag‘ Muttern nix!“
        Es wird dies ‚mit den Woelfen heulen‘ bezeichnet, wo ich dann als ‚kleiner zwack-everything-Idefix‘ dann immer Aerger kriege! 😉
        Well: lass ich mich von Klamotten schon nicht gerne ‚zwicken‘, zwicke ich eindeutig zurueck, wenn ich von Menschen ‚gezwickt‘ werde = ‚Echo‘, wenn ‚leben und leben lassen‘ immer nur von einer Seite an eine Seite genehmigt sein soll.*

        Das war ‚Diiiie Hochzeit‘ wo meine Mutter ihre eigenen einstigen (Schaum) Traeume ausgelebt hat! = Deren Bier = takes two for Tango!

        LG, G.

        * hat’s Hubby kuerzlich ‚ERzwickt‘, als er Lasagne orderte; mordsmaessig komplizierte (15 Zutaten !!!) Anweisungen auflistete; daraufhin zum ‚Selber-machen-bitte‘ verdonnert wurde ABER ewig am schon Spaetnachmittag keinen Finger hierzu bewegte, obwohl er das Ding zum frueheren Abendessen haben wollte.
        Kannst Du Dir schon vorstellen, was passiert ist, oder?
        Er bekam einmal bruehwarm an den Kopf geschmissen, dass er ‚anderen Leuten‘ NICHT anzuzweifeln haette, dass deren Lasagne-Zubereitungs-Planung entsprechende Maengel in der Zeitaufwands-Planung beinhalten wuerde, wenn man dieselbe dann selbst nicht einkalkuliert !!!
        (Er wusste SOFORT, wem er dieses ‚Kampf-Plateau‘ im Original verdankte 😉 😀 )

        • Die 15-Zutaten-Lasagne, die soll sich bei uns zuhause auch immer von alleine zubereiten, gefälligst. 😉 Ich brauche mindestens 2 Stunden, bis sie eßfertig ist, und das, obwohl ich einige der 15 Zutaten einfach weglasse. Schmeckt trotzdem super. 😀 😀 *sich den Mund schleck-smiley*

  2. Also ich muss mal verkündigen – so ein Hochzeits-Foto-Marathon ist auch für den Fotografen nicht so leicht. Ich habe selbst mal (als Foto-Amateur) eine Hochzeit fotografiert, dabei ca. 10 Filme á 36 Bilder durch 2 Kameras gezogen (eine für schwarz-weiß, eine für bunt – „damals“ war das noch analog), und mich mit dem leicht genervten Hochzeitspaar abgeplagt, um DEREN Ansprüchen Genüge zu tun. Davon abgesehen wollte ich natürlich selber mit Qualität beeindrucken, so viel Stolz sei mir gelassen. Aber die Fotos waren/sind gut, und die beiden lächeln heute noch (im Gegensatz zu der Stunde nach dem Shooting), wenn die Sprache auf die Hochzeitsfotos kommt. Ein kompletter Satz Abzüge auf richtig guten Fotopapier war dann (zusätzlich zu der Foto-Begleitung der gesamten Feier) mein nachgereichtes Hochzeitsgeschenk.

    Und zum Thema der Haltbarkeit moderner (Semi-)Professioneller Kameras schaue man sich mal diesen Youtube-Filmschnipsel http://www.youtube.com/watch?v=RCT-YMgjm9k an. (Nicht zur Nachahmung empfohlen!)

    • *g* was für ein Film! Die arme Kamera.. 😀
      Ich habe noch eine uralte Praktika, die würde das alles vermutlich auch überstehen (abgesehen vom Feuer). Ein ungeplantes Bad im Swimmingpool hat sie schon überlebt.

      Uns tat auch eher der Fotograf leid. Und seine Kamera sowieso…
      ABER, times are changing, es ist Frühling geworden, viel wärmer und sonniger und die Laune der Hochzeitspärchen hat sich gebessert. Etwas. 😉
      Es ist eine unglaublich anstrengende Sache, ein Hochzeitspaar zu fotografieren, davor habe ich tiefsten Respekt! Am Ende ist nämlich noch der Fotograf schuld, wenn die Ehe scheitert…

      Grüße, und vielen Dank für den Kommentar, Sathiya

      • Die uralte Praktika hat einen dramatischen Vorteil – die hat eine Prismenscheibe im Sucher verbaut (das Ding, an dem man sehen kann, wie scharf man gestellt hat). So eine Scheibe kostet für meine 8 Jahre alte DSLR schlappe 200 US$ – das ist mehr als das doppelte, was ich für diese Kamera noch an Gebrauchtpreis bekommen würde. Alles hat so seine Vor- und auch Nachteile…

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