Frau, Mann, sexism

von hier:
antjeschrupp.com/2013/01/05/ich-bin-kein-sexist-so-what/   (kein Hyperlink)
Als Antwort auf den oben angegebenen Blogpost.
Vorausschickend: der Gedanke und das Beschäftigung mit dem Begriff Seximus hat zu einigen Änderungen der Wahrnehmung der Stellung der Frau in der Gesellschaft geführt, von denen ich auch profitiert habe (gleichwertige Schulbildung, Universitätsstudium, Arbeitsplatz), weswegen ich die Diskussion über den Begriff an sich nicht ganz ablehne, aber ich finde, sie geht zumindest da im Blogpost in eine komische Richtung. Es wird sich über bloße Wortwahl und Semantik ereifert, ohne die wirklichen Probleme anzusprechen (o bitte, jetzt fragt mich nicht, was genau ich für die wichtigen Probleme halte, es ist einfach ein Gefühl). Garniert ist das Ganze mit einem leicht schrägen Foto, das einem einfältigen (mit Sicherheit auch sexistischen 😉 , wie pöööse) Fotografen zum Thema Sexismus eingefallen ist.
Eine Entgegnung, einige Gedanken und Gefühle dazu. Nur hier zu lesen, weil nicht abgeschickt (das IP-Problem, ungelöst 😉 )
Sexismus richtet sich doch nicht nur gegen Frauen, oder? Diese Betrachtungsweise erscheint mir zu einseitig zu sein – obwohl der Begriff von einer Frau geprägt wurde und bis heute überwiegend im Sinne von gegen Frauen gerichtet verwendet wird.
Ich möchte als Gegenbeispiel gern ein Buch anführen „Die geschützen Männer“ von Melville, eine Zukunftsvision, in der die Geschlechterrollen – vereinfacht ausgedrückt – umgedreht wurden. Ein Beispiel für gegen Männer gerichteten Sexismus. (Ja, es ist bloß ein Buch, aber es ist auch ein Denkanstoß, wenn auch ein sexistischer.)
Und: jeder ist Sexist, schon aufgrund ihrer/seiner Biologie. Frauen und Männer sind unterschiedlich, da hilft keine egalitäre Bewegung oder Wortakrobatik: Frau hat Uterus, Mann hat Penis. Frau empfängt und trägt aus, Mann befruchtet. Frau gebiert, Mann erlegt das Mammut… 😀   oder steuert ein Cabrio.
Die weiblichen Sexisten schreien nun wutentbrannt auf: ein Mammut erlegen könnten sie auch, und ein Cabrio steuern erst recht, dazu müsse man sich nur das Baby auf den Rücken binden oder gleich dem Erzeuger aufs Auge drücken, zur Aufsicht. (Man fragt sich, ob auf diese Art der väterseitige Elternzeitmonat Eingang ins Gesetz gefunden hat? Die Mammuts – deswegen also sind sie ausgestorben….!!! 😀 )
Das dem Post vorangestellte Bild spricht auch Bände – und bedient jedes Klischee, das man sich nur denken kann. Dominanz soll laut Autorin dargestellt sein, ?? , wo ist da Dominanz? Ich sehe ein kitschiges Filmchenset, das in etwa so sexuell anregend ist wie die Klopapierauswahl im Supermarkt. Und ich bekenne: ich bin Sexistin. Der Mann auf dem Bild ist definitiv impotent oder sonstwie eingeschränkt, sonst würde er mit einer so aufreizenden, knapp bekleideten, sogar per Pflaster am Reden gehinderten Frau was ganz anderes tun als sie als Ablage für seine Füße zu benutzen…
Ein Sexist ist für mich einer, der mir mit falschem Lächeln bedauernd mitteilt, daß die gewünschte (Arbeits-)Stelle schon besetzt sei, aber hinter meinem Rücken verlauten läßt, er sei an Frauen nur dann interessiert, wenn sie sich für Stellen auf den Knien oder dem Rücken bewürben. Und ich bin ein Sexist, wenn ich demselben Mann in Antwort darauf eine vollfunktionsfähige Anatomie im allgemeinen und die Fähigkeit dazu und Nachkommen im besonderen abspreche… 🙂 und ihm im Übrigen ein LittleMan -Syndrom bescheinige (da ich einen Kopf größer, ist es wirklich schwer, nicht auf einen solchen Gedanken zu kommen).
Solange in Deutschland beispielsweise TV-Formate wie Topmodel oder Castingshows die Meinung der jungen Frauen über sich bilden und beeinflussen, solange auf jeder TV-Zeitschift eine andere vollbusige offenherzige rotlippige Blondine zu sehen ist, solange sich die Frau dem Diktat der Modeindustrie und ihrer normierten Körper unterwirft, solange sie sich mit Mittelchen und Schönheitsoperationen verschönern zu müssen wähnt – solange wird es den Sexismus geben, und auch solcherlei Diskussionen darüber. (Da gäbe es noch eine ganze Reihe weiterer „solanges“, bitte nach Belieben ergänzen.)
Als passende(re) Illustration hätte ich mir übrigens ein Bild gewünscht, wie es um die letzte Jahrhundertwende üblich war: ein Mann, der Familienpatriarch, Ehefrau und rundherum stehend wie die Orgelpfeifen 8 bis 10 Kinder, das Jüngste auf dem Schoß. DAS ist Sexismus. Und die moderne Gesellschaft versucht mit aller Macht, den Frauen einzureden, daß dies ihre wahre Bestimmung sei – vor allem, wenn sie nicht attraktiv oder klug genug seien, als Model oder Professorin (2 willkürlich herausgepickte Berufe) zu bestehen. DAS ist Sexismus.
Es ist Sexismus, wenn vielen jungen Frauen heutzutage im Land nur die Möglichkeit gelassen wird, zwischen Karriere oder Familiengründung zu wählen. Oder als Mutter mit 400€-Jobs ein Taschengeld „dazuverdienen zu dürfen“. DAS ist Sexixmus. Und dagegen sollte man/frau angehen und sich nicht in Diskussionen über Definitionen verlieren.
Begriffsstreit Sexismus?! Mir ist das egal. Sollen sie es doch nennen, wie sie wollen, wenn sie mich benachteiligen oder bevorzugen (na, selten genug 😉 ). Das hindert sie nicht daran, zu tun, was sie tun wollen, egal, wie ich oder du oder sonstwer es nennen…
See you, Sathiya  (und mir ist es sowas von gleichgültig, welches Geschlecht derdiedas eine oder andere hat)
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2 Kommentare zu “Frau, Mann, sexism

  1. Hmmm. Was da unter der Flagge „Sexismus“ segelt ist in meinen Augen nicht viel mehr als der nie zufriedenzustellende Wunsch nach Unabhängigkeit, der Frauen scheinbar ewig umtreibt. Gepaart ist er mit einem kleinen Stückchen Selbstüberschätzung.

    Denn Männer nehmen sehr wohl wahr, was Frauen leisten, uns setzen es in Beziehung zu dem, was sie selber leisten – so gut das überhaupt geht. Als sie noch annahmen, sie leisteten mehr als Frauen, da konnte man das von mir aus Sexismus nennen. Heute jedoch ist der Wettkampf aus der Sicht des Mannes (!) beendet – und zwar mit einem friedlichen Unentschieden.

    Von daher wäre die Sache an sich sportlich fair beendet.

    Wären da nicht diejenigen Frauen, die sich in das Thema verbissen haben und dabei langsam völlig die Perspektive zu verlieren beginnen. Das fühlt sich so ein bisschen an wie Nachschlagen beim Boxen, nachdem der Ringrichter schon dazwischengegangen ist. Denn mittlerweile haben einige Frauen sich angewöhnt Ausgleich zu fordern für eine unglückselige Biologie, die sie offensichtlich boshaft zu den Müttern erkoren hat, und ihre Leistung als der der Männer überlegen zu bewerten.

    Nur das ist sie nicht. Denn zwischen „Kinder in die Welt setzen“ und „diese Kinder ernähren“ gibt es kein „wichtiger“ – man muss schon beides leisten. Und wie immer wenn man etwas nicht komplett alleine stemmen kann ist es nützlicher die Aufgaben zu verteilen anstatt über die vermeintliche Ungerechtigkeit zu jammern. Wir nennen das Teamplay. Eine gute Erfindung übrigens, denn die wenigsten wirklich wichtigen Aufgaben kann man alleine sicher stemmen.

    Teamplay bedeutet in der Regel jedoch Kompromisse einzugehen, und oft nicht genau das zu bekommen was man sich vorstellt. Gelegentlich knirscht man mit den Zähnen weil andere Teammitglieder scheinbar nicht das leisten was sie sollten oder könnten, oder anders funktionieren als man selber. Teamplay ist auch längst nicht immer eine freiwillige Entscheidung, sondern oft ein Sachzwang – man würde es ja gerne selber machen aber es geht schlicht nicht und man muss eine Aufgabe abgeben.

    Doch das zu vermeiden und die besseren Männer sein zu wollen, das ist nicht das Ziel der Übung. Und Frauen haben jetzt mit ganz wenigen Ausnahmen 30 Jahre lang bewiesen, dass sie sich bei dem Versuch grandios verhoben haben – weil sie eben doch keine Übermenschen sind die doppelt so viel leisten können wie die Schwanzträger-Standardausgabe. Und dass das gutbezahlte Mammutjagen eben doch kein Nebenjob ist – sondern man dann unterm Strich zwei Dinge nicht mit vollem Einsatz machen kann … und entsprechend bezahlt wird.

    Genau das zu erkennen wäre etwas, das Frauen von Männern lernen könnten, aber sich beharrlich weigern, und es lieber Sexismus nennen.

    PS. Ich hätte das auch direkt unter dem post an der Quelle abliefern können nur, dort diskutieren mir zu viele Sozialpädagogen mit der Alice-Schwarzer-Selbsthilfegruppe 😉

    PPS. Meine IP ist echt, wenn ich etwas auch mit meinem Namen unterschreiben würde benötige ich keinen Proxy 😉

    • Hmm zurück. 😉 Es gibt einige Gründe auch für mich, warum ich das hier und nicht dort geschrieben habe, einer davon deckt sich mit Deinem Grund, ein anderer ist ein Kommentar hier:
      Das ist Sexismus mir zu unterstellen das ich Abtreibung thematisiere nur weil ich einer Frau antworte und einen Vergleich bringe. Welches Geschlecht sie haben, habe ich nicht wahrgenommen, weil es mir egal ist. Sorry… aber ist nun mal so.
      Aber zurück zum Thema – und das würde ich auch bei einem Mann posten: 97% aller Abtreibungen erfolgen …usw.

      Ich habe versucht, zu erraten, wessen Geistes (und Körpers) Kind derdiedas Schreiber ist… 😀

      Unentschieden? Träum schön weiter… wann hat es sich eine Frau schon mal nehmen lassen, noch mal nachzulangen, wenn der Verlierer schon feststand? 😉 da vergibt frau sich doch was. eine schöne blutrote Schramme als Andenken… das muß einfach. Den Gegner in Grund und Boden stampfen – und dann Großmut zeigen. Sich als Retterin darstellen. Und nun erst recht auf ihrem naturgegebenen Recht auf Unabhängigkeit bestehen. Mit Papis Kreditkarte. Oder mit Ex-Ehemanns Konto, Haus, Auto und Jacht. Und Hund. (Ironie aus)

      Ein lustiges Szenario:
      allen wird vorher gesagt: ihr seid Frauen, ihr seid unabhängig. Die Siegerin erhält das Recht, die Bezeichnung The Next Big Antisexism Aktivistin zu führen – oder alternativ einen Vertrag über 10 Jahre Familienministerin.
      1.Runde: Kampf bis aufs Blut mit Krallen und Stilettos. Siegespreis: Mr.Universe oder der nächste König oder ein Kiste Diamanten…
      2.Runde: allen werden die Pushup-BHs weggenommen – schlammcatchen.
      3.Runde: allen werden die Deos, Lippenstifte, Mascara, Kämme weggenommen – nackt einkaufen in der Herrenabteilung
      4.Runde: Abgabe der Kreditkarten – was frau nicht alles für einen Pushup tut…
      5.Runde: das große Heulen – wer jetzt noch steht, ist die Siegerin. und darf in die
      Zusatzrunde: IQ-Test nach maximaler Demoralisierung.
      Und nun: wer sich bis hierher wacker geschlagen und durchgehalten hat und noch ein akzeptables Ergebnis beim IQ-Test vorweisen kann – ist berechtigt, über Sexismus zu diskutieren. Hat aber vermutlich das Interesse verloren. 😉

      Ich kenne hier viele Frauen, die ihre Kinder ständig von A nach B und C kutschieren, die immer alles können und selbst machen, die nebenbei ihre Männer entmännlichen und als Geldnachhausebringer und Wochenendpapa mißbrauchen – und die mit Anfang 40 mit zwei Kindern allein dastehen – weil es dem Mann zu bunt wurde, er wieder als Mann und nicht nur als Geldlieferant behandelt werden wollte. Sie fallen dann aus allen Wolken – sie hätten doch immer alles gemacht, und noch mehr, wieso denn, wieso? Eben, Mädels, eben. Teamplay wäre das Zauberwort gewesen. Gemeinsam. Und etwas weniger Sexismus leben.

      Hab ich was vergessen? Mädels, ihr Sexismus- und Feminismusdiskutiererinnen seid schuld, daß ich nur als Objekt mit einem Geschlecht wahrgenommen und beurteilt werde, und nicht nach dem, was ich weiß und kann. Und das unterschiedslos von Männern wie Frauen. Die Gesellschaft ist davon beinahe vergiftet. Die idiotische „Herdprämie“ setzt dem ganzen noch die Krone auf.
      Mein große Tochter (23 Jahre, Studentin) wird davon leider auch beeinflußt – sie plant jetzt schon ihre Familie mit Jahr und Monat und Elternzeit, anstatt es eine Frage von Liebe und Sehnsucht nach einem Kind sein zu lassen. Sogar die Herdprämie wird in die Kalkulationen mit einberechnet… Mir wird ernsthaft schlecht. Entschuldigung. Monopoly mit Babywunsch.

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