Pro und Contra: Israel

In Erwiderung auf den Beitrag von hier:
kalliopevorleserin.wordpress.com/2012/11/18/bittet-fur-den-frieden-jerusalems/   (kein Hyperlink)
Eine Freundin, Jüdin, in Deutschland geboren, mit einem in Israel geborenen Mann verheiratet, mittlerweile in Frankreich lebend, sagt: Israel ist kein Stück besser als jedes andere Land. Einige wenige sehr reiche Familien kontrollieren das Land – genau wie vor 100 Jahren die arabischen Großgrundbesitzer. Der normale Bürger hat so gut wie kein Mitspracherecht – es sei denn, es dient der Propaganda.
Der allgemeine Pro-Israel-Kult geht ihr ebenso auf die Nerven wie die Contra-Israel-Einstellung. Die Berichterstattung ist von keiner Seite aus objektiv oder neutral, sondern immer von den Absichten der jerweiligen Parteien geprägt. Man kann alles oder so sehen. Sie selbst hat das Land verlassen, damit ihre beiden Töchter nicht mit 17 zum Armeedienst gezwungen werden können (ist Pflicht für jede in Israel lebende junge jüdische Frau und Mann). Ist sie mit den Raketenangriffen einverstanden? Nein, wie denn auch. Der einfache israelische Bürger wird dazu genauso wenig befragt, wie wir, wenn die Bundesregierung irgendwelche Panzer irgendwohin exportieren will. Hat sie Einfluß auf die Art, Weise, Form, Inhalt, Ton der Berichterstattung? Nein, auch nicht, Nicht mehr, als wir hier in Deutschland.
Die allgemeine Praxis, entweder PRO Israel oder CONTRA Israel zu sein, hilft uns nicht weiter. Wir sollten das differenziert sehen, da die offizielle Berichterstattung niemals objektiv ist. Kann sie auch nicht sein, weil siehe oben. Wenn die Berichterstattung auch in Deutschland so selektiv ist – muß man sich nicht eher fragen, wem genau das nützt, als automatisch die bösen Araber zu verurteilen und die armen Israelis zu bemitleiden?!
Bitte, bei aller Sympathie für Israel, für das jüdische Volk, nicht vergessen: die Politiker, Reichen, Industriellen bestimmen Art, Inhalt, Ton, Färbung und Frequenz der Berichterstattung und haben dabei ganz bestimmt keine humanistisch geprägte Ziele im Sinn sondern verfolgen nur ihre eigenen Absichten.
Ich selbst habe “Exodus” von Leon Uris gelesen und war zutiefst berührt und bewegt. Und ich kenne das Alte Testament. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die waren nicht zimperlich, die alten Hebräer…!
Viele Grüße, Sathiya
***
Vielen Dank!
Nein, das wollte ich auch nicht andeuten oder so verstanden wissen. Falls mein Ton das vermuten ließ – ich wollte niemanden angreifen.
Mir persönlich geht nur die ewige Entweder-Oder-Einstellung auf die Nerven.
Daß Ihr Blog eindeutig Stellung für bezieht, ist nicht zu übersehen, und das ist gut so. Vor allem, wenn auch die Existenz anderer Meinungen akzeptiert und diese zugelassen werden können. (was mittlerweile nicht mehr selbstverständlich ist, darum doppelten Dank!)
Ich bitte und bete auch für den Frieden Jerusalems und hoffe nur, daß es nicht der Frieden des Todes sein wird. Die Gefahr ist groß, leider. Und da ist es meines Erachtens egal, von welcher Seite aus die Raketen abgefeuert werden. Die Stadt leidet in jedem Fall – und mit ihr alle Einwohner. Die Raketen unterscheiden nicht zwischen Juden, Moslems, Christen, Touristen…
Aktuell die Anerkennung/Zulassung Palästinas durch die UNO. Die Gemüter sind erhitzt, man kann quer durch die Nationen Zustimmung und Ablehnung finden, auch militanter und extremer Art. Wer hat das Recht, einen anderen zu verurteilen? Hat nun jemand das Recht, einen Krieg als Vergeltung anzufangen? Oder als Strafmaßnahme, wie ich in einer israelischen Zeitung lesen konnte. Auch die Palästinenser, frisch anerkannt, sind alles andere als zufreiden. Sie haben das Gefühl, nun erst recht alles verloren zu haben… und bald werden sich beide Seiten wieder an den Grenzen gegenüberstehen und bis aufs Blut bekämpfen.
Die versöhnliche Einstellung, die Sie beschreiben, hat für sie leider keine Geltung…
Das Ende der Blutrache. Schön wär´s – wenn sie sich auf ein Ende einigen könnten. Wie war das noch mit Vernichtung bis ins siebte Glied? Das scheint heutzutage ja Politik zu sein. Bis ins siebte Glied – das sind sieben Generationen, also ungefähr 140 Jahre, mindestens aber 100. Das dauert noch, bis die vorbei sind! 🙂
***
Vielen Dank für die Freischaltung meines Kommentares.
Ich habe nicht behauptet, daß auf diesem Blog irgendwer die Ararber pauschal verurteilt, noch sonstwas in der Richtung. Ich habe lediglich die Meinung meiner Freundin wiedergegeben – die meines Erachtens einen anderen Blick auf die Problematik erlaubt als unsere ferne, durch Nachrichtenagenturen, Zeitungsredaktionen und politischen Willen geformte und auch manipulierte Wahrnehmung. Das und nichts anderes.
Ich sage nur noch eines und dann bin ich weg:
Jerusalem ist die heilige Stadt gleich dreier Weltreligionen. Die unreflektierte Gleichsetzung Jerusalems mit Israel ist unkorrekt und einer der Gründe für den nicht enden wollenden Nahostkonflikt. Der größte, wichtigste und nachhaltigste Grund überhaupt dafür ist m.E. in der britischen Nahostpolitik der letzten 100 Jahre zu suchen.
Ich bete für den Frieden Jerusalems – und darum, daß es nicht zum Frieden des Grabes, des Todes wird.
Die Bombenleger der einen Seite zu verurteilen, weil sie Terror verbreiten, ist genauso richtig wie die präventiven Raketenangriffe der anderen Seite. Es ist immer eine Frage des Blickwinkels.
Letzendlich stellt sich mir nicht mehr die Frage, ob Jude oder Moslem, Gemäßigter oder Radikaler, Amerikaner oder Israeli, sondern nur die Frage nach der Vernunft und welche Welt wir unserern Kindern hinterlassen wollen.
***
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23,34)
Man darf sich fragen, was Jesus heute tun würde… ob er Partei ergreifen würde. Und für wen.
Ich bete für den Frieden Jerusalems und darum, daß es nicht der Frieden des Todes sein möge.
Viele Grüße, Sathiya
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s